«Es wird anspruchsvoll, Gegensteuer zu geben»

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5. November 2026 – Gesamtertrag 217,3 Millionen Franken, Aufwandüberschuss 0,7 Millionen – das Zolliker Budget 2027 ist praktisch ausgeglichen. Finanzchefin Sylvie Sieger und Gemeinderat André Müller zur Verfassung der Gemeindefinanzen und die künftigen Herausforderungen.

Gemeinderäte Sylvie Sieger und André Müller (Fotomontage: ZN)
Gemeinderäte Sylvie Sieger und André Müller (Fotomontage: ZN)

INTERVIEW: RENE STAUBLI

Frau Sieger, das Budget 2027 ist beinahe ausgeglichen. Was freut Sie als Finanzchefin der Gemeinde am meisten?

Sylvie Sieger: Es ist tatsächlich schön, wenn das Budget eine rote oder grüne Null aufweist. Es bedeutet, dass die Ausgaben und Einnahmen im Jahr 2027 ausgeglichen sind. Für mich bedeutet es ein «unaufgeregtes» Ergebnis, das keine Hektik nach sich zieht. Richtig Freude hätte ich aber an einem grossen Überschuss und einer Steuerfussreduktion.

Das Nettovermögen, das Ende letzten Jahres noch 95 Millionen Franken betrug, schmilzt im nächsten Jahr auf rund 29,3 Millionen Franken, respektive auf 22,5 Millionen Franken per 2030 zusammen. Stichworte dazu sind die Sanierung des Schwimmbads Fohrbach, der neue Kunstrasen auf dem Riet, Investitionen in die Musikschule Dorf sowie allfällige Bauten und Arbeiten an der Seeanlage Wässerig. Kann man sagen, dass der langjährige Investitionsstau der Gemeinde beendet ist?

Sieger: Nicht ganz. Der Abbau des Nettovermögens ist kontrolliert: Wir investieren stark ins Verwaltungsvermögen, d.h. in Anlagen, die direkt zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben dienen wie das Fohrbach, die Sportanlage auf dem Riet oder das provisorische Betreuungshaus Rüterwis. Sind diese Projekte fertiggestellt, ist der Investitionsstau dort behoben. Die Investitionsplanung 2026–2030 zeigt aber, dass noch viele weitere Projekte anstehen, etwa im Bereich Schulräume oder Ortskernentwicklung Zollikerberg.

Das Schwimmbad Fohrbach soll auf die nächste Badesaison wiedereröffnet werden. Ursprünglich belief sich der Projektierungskredit auf 46,4 Millionen Franken, später auf 52,6 Millionen. Kann dieser Kostenrahmen eingehalten werden?

André Müller: Ja, gemäss aktueller Kostenprognose kann der Kostenrahmen von insgesamt 52,6 Millionen eingehalten werden. 

Für das provisorische Betreuungshaus Rüterwis haben die StimmbürgerInnen 6,5 Millionen Franken bewilligt, dann ging die Generalunternehmung in Nachlassstundung, was zusätzliche Kosten verursachen wird. Gibt es eine Best- und Worstcase-Schätzung?

Müller: Die beiden vom Gemeinderat bewilligten Kredite für die Fertigstellung (1,6 Millionen Franken) und für die Bezahlung allfälliger Bürgschaften (1,2 Millionen) sollten gemäss aktuellem Stand ausreichen. Wieviel die Gemeinde aus dem Nachlass des Generalunternehmers zurück erhält, ist noch offen.

Wie jedes Jahr werden an der Gemeindeversammlung die Investitionen in die Kinderspielplätze zu reden geben. Für 2027 sind dafür 121’000 Franken eingeplant, weniger als für Wanderwege (171’000 Franken) und Grünanlagen (670’000 Franken). Wer entscheidet eigentlich, wieviel Geld in jedes dieser drei Gefässe fliesst?

Sieger: Die Ressorts melden ihre Vorhaben an, und der Gesamtgemeinderat legt Ende Juni/Anfang Juli jeweils die Investitionsplanung fest.

Sie schauen als Finanzchefin nicht nur auf das Jahr 2027, sondern auf die ganze Legislatur. Gehen Sie davon aus, dass der aktuell tiefe Steuerfuss von 76 Prozent bis 2030 auf diesem Niveau gehalten werden kann?

Sieger: Nein, davon gehe ich eher nicht aus. Die Investitionsplanung 2026–2030 enthält viele grosse Investitionen. Wir werden deshalb wieder Fremdkapital aufnehmen müssen, und ab 2029 oder 2030 könnte auch eine Steuerfusserhöhung nötig werden. Das Nettovermögen der Gemeinde schmilzt rasch. Es wird anspruchsvoll, Gegensteuer zu geben, denn wir sind uns seit Jahren gewohnt, dass die Finanzen stimmen. Das Budget 2027 war noch einfach, vielleicht auch jenes für 2028, danach dürfte es harziger werden. Der Gemeinderat will deshalb ab dem Budget 2028 die Investitionen gezielter steuern.

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